Stress auf Reisen, existiert das wirklich?

Stress auf Reisen, existiert das wirklich?

Vom alltäglichen Leben kennt wohl jeder den Begriff «Stress». Allein, das Wort zu lesen oder überhaupt daran zu denken, löst bei einigen Personen bereits den ungewollten Gast, namens «Stress» aus.

Kennst du dieses Gefühl auch? Immer unter Strom zu stehen, die To Do Listen werden immer länger – sowohl auf der Arbeit als auch Privat. Du lebst nur noch fremdbestimmt, hetzt von einem Termin zum Nächsten und fragst dich „wo ist denn die Zeit geblieben“?

Grout Pond, Vermont, USA

Das digitale Zeitalter sollte uns in der Theorie mehr Zeit verschaffen. Wir müssen nicht mehr zur Bank gehen, um unsere Überweisungen zu tätigen, sondern können diese online von überall aus tätigen. Wir müssen uns nicht mehr in lange Schlangen vor vollen Umkleidekabinen stellen, sondern können unsere Kleidungen bequem von zu Hause bestellen. Selbst wenn dein Bus 10 Minuten Verspätung hat, kannst du dies auf deinem Smartphone nachschauen, um so wieder Zeit zu gewinnen.

Und trotz der zunehmenden Digitalisierung und somit gewonnener Zeit fühlen wir uns mehr und mehr gestresst – ein Paradoxon schlecht hin! Stresst ist zu einem täglichen Begleiter geworden, den eigentlich niemand gern an seiner Seite hat.

Ist das auf Reisen genauso?

Die Antwort ist ganz klar «es kommt darauf an». Aus meiner früheren Beraterzeit weiss ich, dass das die beste Antwort auf jede Frage ist. Aber hey, Spass beiseite, es kommt wirklich ganz darauf an. Voll gepackte Tage, aufstehen mit dem Wecker, hetzen von deiner Touristenattraktion zur Nächsten? Wo ist da die Erholung, der Genuss, die Begeisterung? Es ist durchaus möglich in kürzester Zeit so viel wie möglich zu sehen und damit den Stress des Alltags auch auf den Urlaub zu übertragen.

Nicht vergessen dürfen wir jedoch, dass das Stresslevel und Stressempfinden von Person zu Person völlig unterschiedlich ist. Einige Menschen empfinden Stress viel schneller und intensiver als andere, daher sollten sehr stressempfindliche Menschen besonders darauf achten, ihre Verhaltensmuster aus dem Alltag nicht mit in den Urlaub oder auf die Reise zu nehmen, sondern sich entspannte Ruhe gönnen.

Fundy National Park, New Brunswick, Kanada
Fundy National Park, New Brunswick, Kanada

Wenn ich mir mein 5 Jahre jüngeres «Ich» anschaue, war ich eher der Typ, so viel wie möglich auf der Sightseeing-Liste abhaken – zur Ruhe kam ich selten, obwohl ich meiner Einschätzung nach eher zu den «schnell gestressten Menschen» gehöre. Heute mache ich das ganz anders.

Slow Travelling

Seit Beginn unserer Weltreise, in der Zeit auf den ersten Blick unendlich erscheint, reisen wir viel bewusster, langsamer, überlegter. Wir hetzen nicht. Wir nehmen uns Zeit, um Menschen und Kulturen kennenzulernen, um Geschichten zu erfahren und um selbst Geschichte zu schreiben. Oft bleiben wir mehrere Tage, sogar Wochen an einem Ort. Wir nehmen uns Zeit zu reflektieren, unsere eigenen Wünsche und Träume wahrzunehmen – wir nehmen uns die Zeit einfach zu sein. Ich liebe die Momente an denen ich still das Meer beobachte und das Geräusch der Wellen in mich aufsauge, es gibt mir unendliche Kraft. Weniger ist mehr, das ist unser Motto.

Grout Pond, Vermont, USA

Ganz bewusst haben wir uns daher auch dazu entschieden mit dem Wohnmobil für einige Monate in nur einem Land zu verbringen anstatt von Land zu Land zu jetten. Wir umgeben uns mit anderen Reisenden, Träumern, Menschen, die das Leben geniessen und weniger mit solchen, die von Termin zu Termin rennen.

Dein Umfeld » dein „Stresslevel“

Einen hohen Einfluss auf dein Stresslevel hat natürlich auch dein direktes Umfeld. Wie verhalten sich deine Arbeitskollegen, deine Freunde, deine Nachbarn, deine Familie. Unser Umfeld setz unseren Maßstab. Und was tun wir nur allzu gern? Ach ja, uns vergleichen. Habe ich die Aufgabe genauso gut erledigt wie meine Kollegin? Was denken meine Arbeitskollegen, wenn ich heute als Erste aus dem Büro gehe? Was denken meine Eltern, wenn ich Ihnen von meinen Plänen erzähle? Was sagen meine Freunde, wenn ich heute Abend erst später komme oder gar absagen möchte?

Legt den Stress ab, der ist nur da, wenn ihr ihn akzeptiert – und das müsst ihr nicht! Konzentriert euch wieder mehr auf die schönen, positiven Momente im Leben, denn davon gibt es zur Genüge.

Viel zu selten denken wir an uns selbst, was wir wirklich wollen, was wir lieben, was wir gern tun! Ich fordere euch dazu auf, tut das öfter, denkt an euch und was euch gut tut und dann macht es auch. Ob es eine Reise ist, ein Konzert, ein Buch oder einfach nur ein heisses Bad in der Badewanne.

Geniesst den Moment und geht ruhig ein wenig langsamer durch’s Leben – slow motion mässig – es gibt keinen Grund zu hetzen.

«Man lebt nur einmal»

 

Leave a Reply